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Kirchenblätt'l 03/19

Kirchgemeinden Limbach/Jocketa
Veröffentlicht von in An(ge)dacht · 6 Juni 2019
EIN JEDER MENSCH SEI SCHNELL ZUM HÖREN, LANGSAM ZUM REDEN LANGSAM ZUM ZORN. (JAK.1,19)
Also die Sache ist die: wir haben „doppelt so viel Ohr wie Mund“. Tatsache ist: dass wir zwei Ohren haben, aber nur einen Mund. Es gibt ja viele Dinge, bei denen es auf die Geschwindigkeit ankommt: Bei jedem Wettrennen, jedem Wettkampf, kommt es auf Geschwindigkeit an. Meine Reaktionsgeschwindigkeit hilft nicht nur beim Sport. Aber beim Hören, was macht Schnelligkeit da aus? Der andere sagt etwas, das kommt mit 333m je Sekunde zu mir, und dann kann ich hören, bis er fertig ist. - Gemeint ist etwas anderes: Schnell zum Hören, das bedeutet, dass wir auch auf die leisen Töne achten, auch auf „jenen vollen Klang, der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet“. Wie Dietrich Bonhoeffer das besingt. Hören und verstehen. Und schnell hören, das bedeutet, dass wir Bereitschaft signalisieren, dem anderen zuzuhören, und ihn ausreden lassen. Dass wir uns auch für das interessieren, was er zu sagen hat. Dass wir einem vielleicht schwierigen Gespräch nicht tagelang aus dem Weg gehen. Manchmal bekommt man Antworten auf Fragen, die man gar nicht stellt. So soll es nicht sein: „Wer antwortet, ehe er gehört hat, dem ist es Torheit und Schande!“ So schreibt die Bibel an anderer Stelle. Und wir sollten uns das Staunen nicht ganz abgewöhnen, auch wenn wir schon alt sind und vieles gesehen und gehört haben. Und auch das hat mit dem aufmerksamen, „schnellen Hören“ zu tun. Schnelles Hören macht nicht ungeduldig, dauert paradoxerweise länger. Langsam zum Reden: Manchmal hilft es sich den Mund zuzuhalten. Oder sich (bitte nicht zu fest!), auf die Zunge zu beißen. Auch hier ist nicht gemeint, dass wir in Zeitlupe sprechen sollten. Sondern, wenn der andere ausgeredet hat, sollten wir erst einmal nachdenken. Ob er die Antwort, die er braucht, nicht selbst gesagt hat; denn manchmal ist das so. Dann Luft holen und dann, wenn es nötig ist, antworten. – Manchmal genügt es aber schon einfach nur zuzuhören. Die Bibel erzählt von den Freunden Hiobs, dass diese, nachdem er ihnen sein Leid geklagt hatte, ganz lange schwiegen. – Das ist ganz wundervoll. Wenn jemand den Kummer, den ihm der andere anvertraut, erträgt, ihn auf diese Weise zu einem ganz kleinen Teil mitträgt. - Dann haben die Freunde leider geantwortet, und ihre Antworten schadeten. Zum Zorn: Zählen Sie bis zehn? – Langsam zum Zorn! – Wir sollen an dieser Stelle langsam reagieren. Also eher bis hundert zählen. Uns nicht als selbsternannte Richter und Vollstrecker in einer Person aufspielen. Das können wir irgendwelchen Filmfiguren überlassen. Wir sollten den Zorn beherrschen, uns nicht von ihm beherrschenlassen, so verführerisch das auch sein mag. Bemerkenswert ist aber doch, dass es heißt: „Langsam zum Zorn“, nicht dass wir niemals zornig sein dürften. Manchmal müssen wir Stellung beziehen und werten, auch wenn es bequemer wäre, das nicht zu tun. Und da sollen wir nicht säuseln. Aber zum Thema Zorn schreibt Paulus auch: „Lass die Sonne nicht über deinem Zorn untergehen.“ – Irgendwann sollen wir auch aufhören zu zürnen. Den Zorn anders kanalisieren: Uns einen Punchingball anschaffen, Flamenco tanzen oder einen Lauf machen. Lange zuhören, kurz reden, kurz zornig sein: Wenn das gelingt, dann werden die Leute uns die Botschaft abspüren. Manchmal ohne dass wir viele Worte zu machen brauchen. Sie werden merken, dass unser Leben: unser Tun und Lassen, unser Reden und Schweigen, unser Denken und Leiden vom Wort Gottes bestimmt ist.
Martin Engler


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