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Predigt Ostersonntag 2020

Kirchgemeinden Limbach/Jocketa
Veröffentlicht von Martin Engler in Predigt · 12 April 2020
Der Herr ist auferstanden!

 
 
Christus spricht:
 
Ich war tot, und siehe ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
 
 
Paulus schreibt (1.Kor15,19-28):
 
Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.
 
Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
 
Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
 
Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.
 
Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, welche Christus angehören; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.
 
Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).
 
Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
 
Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.
 

 
Liebe Gemeinde,
 
Mit wem haben Sie Mitleid, wen bedauern Sie zutiefst?
 
Wenn ich gefragt werde, wer für mich ‚der elendeste unter allen Menschen‘ ist, da denke ich natürlich an die schwer Kranken, die vielleicht noch in Ländern leben, wo es keine medizinische Hilfe gibt. Ich denke an die, welche ganz alleine irgendwo elend sterben müssen.
 
Ich denke natürlich nicht an jemanden wie Paulus, der so stark war im Glauben.
 
Paulus schwankt, manchmal in seiner Selbstbeurteilung „ich bin der geringste unter allen Aposteln und bin nicht wert, dass ich ein Apostel genannt werde“ … „aber ich habe mehr gearbeitet als sie alle“ (Wenige Verse vorher 1. Kor 15,9.10), aber darin schwankt er nicht: Ich kann mich auf Christus verlassen; denn er ist auferstanden. Er ist lebendig.
 
Schön für Paulus, so könnte man jetzt denken, aber diesen Glauben können wir auch haben, jeder von uns. Es ist ein Privileg, ein Vorrecht, aber keines, das nur dem Paulus vorbehalten bleibt. Wir müssen nur darum bitten, und schon im Bitten ist die Bitte erfüllt.
 
Warum redet er? – Gott will die Botschaft durch Menschen weitergeben und die Botschaft soll die Menschen miteinander verbinden … - Dass sie das heute noch tut, das habe ich gerade in dieser Zeit als Pfarrer an unglaublich vielen Stellen gemerkt: Dass so viele Christen aus unseren Gemeinden zu diesen Gottesdiensten und Beiträgen, die wir dann ins Netz stellen konnten, beigetragen haben, das macht mich unglaublich dankbar: Dankbar gegenüber all diesen Menschen und dankbar gegen Gott. Ganz von selbst boten so viele vieles an: Zu helfen, jemanden anzurufen, jemandem etwas zu bringen, einzukaufen …, und all die Dinge, die ohne den Pfarrer zu fragen, bei anderen vor die Tür gestellt wurden … Da wurde angeboten und gegeben.
 

Wie ein Puzzle wie ein Haus aus verschiedenen Steinen, aus lebendigen Steinen. Viele haben etwas beigetragen auf verschiedenen Ebenen, man musste sie nicht anstoßen, ich jedenfalls nicht, das hat ein anderer getan, auch das ein Zeichen für die Lebendigkeit unseres Herrn, ein Zeugnis.
 
Viele, die etwas gelesen, erlebt, bekommen oder angesehen haben, die haben gesagt: Es wurde etwas Ganzes daraus. Und doch ist es nur ein kleiner Teil der Botschaft: Der Herr lebt.
 
 
Corona ist eine schlimme Sache – da gibt es nichts daran herumzureden.  Menschen sind krank. So viele mussten sterben. Menschen mussten schlimme Ängste ausstehen. Andere wurden arbeitslos, haben ihr Einkommen verloren, und in ärmeren Ländern ist es noch schlimmer - aber man soll Leid nicht vergleichen. Es ist schlimm.
 
Aber Corona konnte und kann das Fest der Auferstehung und die österliche Freude nicht verhindern.  
 
Zugleich dürfen wir – ich glaube das ist legitim – die Krankheit als Zeichen Gottes verstehen. Ich denke, wir sollen das sogar tun: Die Krankheit als Zeichen Gottes verstehen. Nicht so sehr als Prüfung und Strafe, aber als Zeichen, dass wir einander lieb haben sollen, dass wir das ächzen der Schöpfung unter dem pausenlos zunehmenden Verkehr nicht mehr überhören sollen. Wir können die Krankheit auch als Zeichen dafür verstehen, dass wir unseren Glauben vertiefen und leben sollen, und die Botschaft des Auferstandenen und von seiner Auferstehung weitergeben sollen: In Gedanken, Worten und Werken.
 
Corona hat mir schon jetzt wieder mal gezeigt, dass da viele Helfer sind.
 
Als Zeichen können wir diese Krankheit verstehen, dass wir uns nicht einbilden sollen, als könnten wir allein hier im Diesseits Glück absichern, Werte erwirtschaften, für immer. Als könnten wir allein in diesem Leben dem Elend entrinnen, nicht einmal in diesem reichen Land können wir das! – Denn dieses Land ist keine Insel des Glücks.
 
Auch in diesem Leben sollen wir ja den Glauben leben, aber die Hoffnung muss darüber hinausgehen, sonst ist es gar keine Hoffnung, sondern Zweckpropaganda oder Selbstbetrug. Lüge und Selbstbetrug, der einen arm macht, innerlich ausbluten, ausbrennen lässt, wenn wir all das geben wollen aus eigener Kraft, von den eigenen Vorräten. Dann werden diese Vorräte unglaublich schnell leer sein, auch wenn man sich das nicht vorstellen kann, so wenig wie man es sich vor der Krise denken konnte, dass Klopapier jemals knapp werden könnte.
 
Paulus stellt hier klar, wenn die Botschaft von der Auferstehung ‚Fakenews‘ wären, dann wäre alles sinnlos, dann müsste man wirklich mit Gottfried Benn sagen: „… und was bleibt ist die Leere und das gezeichnete Ich.“
 
Aber so ist es nicht. Wir sind nicht arm, wir sind reich. Gott sei Dank: Gott dem Vater, der alles geschaffen hat, der uns das Leben gab und gibt, das wahre Leben. Gott dem Sohn der für uns ans Kreuz gegangen ist und auferstanden ist. Und Gott dem Heiligen Geist, der uns immer wieder mit Kraft erfüllt, mit der Kraft zu glauben auch.
 
Freut euch … wie kann ich mich freuen?
 
Nach dieser Krankheit werden viele, die krank gelegen sind, wieder aufstehen. Aber auch für die anderen gibt es Hoffnung, die größte Hoffnung überhaupt: Dass wir nach dem Tod bei Gott sein werden, sein dürfen um Jesu Christi willen, um Christi willen, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.
 
Samuel Koch, der leider bekanntlich damals bei einer Show sich so schwer verletzte, dass er seither nicht mehr aufstehen kann, der schreibt davon, was er tun würde, wenn er das könnte: Aufstehen. Also nicht bei der Auferstehung, da wird er das können, sondern hier in diesem Leben. Er schreibt: „Ich wurde schon oft gefragt, was ich machen werde, wenn ich wieder laufen könnte und habe die Antwort schon siebenundzwanzig mal wieder verworfen; denn ich würde tatsächlich einfach loslaufen, nur um des Laufens willen. … Zwei Möglichkeiten: Entweder mein Zustand verbessert sich so weit, dass ich damit leben kann, oder ich lerne meine Situation anzunehmen, so wie sie ist. Beides ist noch nicht ganz eingetreten.  Aber das ist das letzte Kapitel dieses Buches und nicht meines Lebens. - Es ist der Glaube eine Feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nicht-Zweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebräer 11,1.“
 
(S. Koch, Das Zweite Leben)
 
Auch in diesem Leben wünsche ich ihm das, dass da mehr möglich wird. Aber mehr als das wünsche ich ihm und mir, dass wir uns bei der Auferstehung sehen werden.
 
Komm in mein Leben, Herr, Lebendiger, der du das Leben bist. Komm in mein Leben immer wieder neu: mit deinem Wort, mit deiner Liebe, mit deiner Lebendigkeit, mit deiner Kraft.
 
Leben aus der Auferstehung, das befähigt uns, etwas zu geben, manchmal auch über uns selbst hinauszuwachsen, uns Gefahren auszusetzen. So bezeugt es Paulus (1.Kor 15.30), so bezeugen es viele Christen, solche, die in der Vergangenheit zu Märtyreren (Zeugen) wurden, solche die heute Nachfolge leben.
 
Leben aus der Auferstehung, das bedeutet, dass ich auch jetzt schon übe, dass ich die Leute ausstehen kann; denn aufstehen können und ausstehen können, das gehört zusammen.
 
Auferstehung!
 
Der Herr ist auferstanden – vier Worte, warum mehr sagen?
 
Wieso die ganze Bibel – Beides ist wichtig: Die Bibel - aber, dass wir immer wieder die Mitte der Schrift suchen und finden …  Christus, den Auferstandenen. Und dass Er zugleich die Mitte unseres persönlichen Lebens sein möge.
 
Wir können uns freuen und trotzdem Mitleid haben, und aus diesem Mitleid heraus helfen. Aber wir können um so besser helfen, wenn wir diese Hoffnung haben, über dieses Leben hinaus, weil wir nicht verzweifeln müssen, dass die Not so groß ist. Ich helfe, wo ich kann und verzweifle nicht, dass ich die Welt nicht retten kann, weil ich glaube das das ein anderer getan hat: Christus der Auferstandene.
 
Deshalb ist unser Osterlachen nicht zynisch:
 
Und deshalb frage ich mich, ob der Komiker Stan Laurel das, was auf seinem Grab steht durchhalten wird, ob er das überhaupt durchhalten kann: „Wenn einer bei meiner Beerdigung ein langes Gesicht zieht - mit dem rede ich nie wieder“  – Bestimmt nicht, denn ein solches Versprechen, mit jemandem nie wieder zu reden, die Ewigkeit lang durchzuhalten, das wird richtig schwer! Beziehungsweise hoffentlich nicht; denn ich hoffe für ihn, dass er das ewige Leben hat und ich würde mich dort gerne mal mit ihm unterhalten. Und sein Grabspruch bringt mich zum Lächeln, obwohl Oliver Laurel ihn, wenn er bei Gott ist, ihn nicht wahrmachen wird, ist der Spruch doch keine Lüge.
 
 
Zum Thema Lüge: Paulus tut den Gedanken, dass das, wovon er hier redet, ihn zum Lügner machen könnte ganz klar als das denkbar Absurdeste ab. Über richtige Lügner dagegen heißt es in der Bibel: „Der im Himmel wohnt, lacht ihrer.“ – Gott lacht die selbstherrlichen Gewaltherrscher einfach aus, die Lügen verbreiten. – Das Osterlachen ist das Gegenteil davon, die Österliche Freude.
 
Kann ich in diesem Jahr auch lachen?  - Ich weiß es nicht. Aber wenn ich bei Gott sein werde, dann werde ich diese unendliche Freude haben, darauf vertraue ich, denn ich vertraue dem, der sie begründete.
 
Michael Weisse bringt mich listig zum Lachen , - ich weiß nicht, ob Sie es gemerkt haben, aber wenn sie das Lied, ‚Gelobt sei Gott im Höchsten Tron‘ (EG 103) ein einziges Mal gesungen haben, hat sich ein Lachen eingeschlichen (Halleluja-haha) kein Auslachen, kein zynisches oder erzwungenes Lachen, sondern ein Lachen der Freude, wie das Lachen der alten Sara nach der Geburt des Isaak. Ich werde meine heimliche Freude bei diesem Lied auch in diesem Jahr haben.
 
Gewaltherrscher, Lügner, Leute, die Fakenews verbreiten, die gibt es leider …
 
Wir aber wollen die Wahrheit verbreiten: Der Herr ist auferstanden. Amen
 
 
 
Die Kraft des Christus, der von den  Toten auferstand, sei in euch!
ER wirke in eurem Werk. Sein Geist leite euch!
Er gebe euch gute Gedanken und ein starkes Herz.
Und jeder eurer Tage bezeuge die Liebe Gottes, die über euch waltet,
seinen Kindern.
Er bewahre euch in Ewigkeit!
           
 
                                                   AMEN


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