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Predigt: Ich glaube angesichts aller Ängste

Kirchgemeinden Limbach/Jocketa
Veröffentlicht von Martin Engler in Predigt · 18 März 2020
Paulus schreibt:
Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.
Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.
Römer 8,18-23

Liebe Gemeinde, diese Worte haben große Kraft!
Über Jahrhunderte haben sie Menschen getröstet, ihnen wirksam geholfen.
Diese Worte machen mir Mut.
Paulus schreibt: Ich bin überzeugt. – Das bedeutet: Er ist sich seiner Sache ganz sicher. Es ist nicht nur etwas, das er wie ein Gedankenspiel erwägt, sondern er glaubt daran, kann sich daran festhalten. Er kann diese Botschaft bedenkenlos weitergeben. Vieles machte gewiss auch dem Paulus Angst. Denn wenn er schreibt, dass die ganze Schöpfung Angst hat („sich ängstet“), so ist ihm bewusst, dass er Teil dieser Schöpfung ist.
Vieles macht auch uns Angst.
So vieles geistert jetzt durch die Medien, so viele Botschaften, wahre und falsche. Die Fallzahlen, die Vorstellungen, wie es weitergeht, was man machen müsste, um gesund zu bleiben, was man machen müsste, um selbst niemanden anzustecken … Das Virus ist ja unsichtbar.
Wir werden geradezu überflutet mit Informationen. Und vieles davon ist richtig und nützlich.
Sollte man da jetzt mit dieser Botschaft von Paulus auch noch daherkommen? Sollte man nicht lieber schweigen, bis die Fachleute, die Ärzte und Politiker Mittel und Wege gefunden haben, mit dieser Krise umzugehen?
Das glaube ich nicht.
Sondern ich glaube, dass wir mit ganz großer Ruhe die Botschaft weitergeben sollen, die über viele Krisen getragen und geholfen hat.
Ja es ist schlimm, dass Menschen sich mit dieser Krankheit anstecken, dass sogar viele daran sterben.
Aber trotz allem müssen wir nicht verzweifeln. Das lateinische Wort für verzweifeln, heißt zugleich auch: Die Hoffnung aufgeben, den Glauben aufgeben.
Das müssen wir nicht. Denn wir haben einen begründeten Glauben, besser gesagt: einen lebendigen Grund für unseren Glauben.
Wir haben den, der unsere Not wendet: Jesus Christus. Paulus sagt hier: Nichts und niemand kann uns von ihm trennen.
Und selbst wenn Paulus weiß, dass er Gott nicht festhalten kann, so vertraut er doch darauf, dass der ihn festhält und nicht verlassen wird.
Und derselbe Gott, an den Paulus geglaubt hat, an den dürfen auch wir glauben. Und der wird uns nicht aufgeben, um keinen Preis der Welt!
Ich möchte mit einigen Worten, die Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis geschrieben hat schließen:

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Niederlage so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf Ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Etwas ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Ihr Pfarrer
Martin Engler



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