Kirchenblätt'l 12/22-01/23

Limbach im Winter
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Kirchenblätt'l 12/22-01/23

Kirchgemeinden Limbach/Jocketa
Veröffentlicht von Martin Engler in An(ge)dacht · 4 Dezember 2022
Der Wolf findet Schutz beim Lamm. Der
Panther liegt beim Böcklein. Kalb und
Löwe weiden zusammen. Ein kleiner Junge
leitet sie. (Jes.11,6)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
der Wolf findet Schutz beim Lamm … - Ein krasses Bild! Kann ich das glauben? Anders gefragt: Vor welchen Dingen will ich überhaupt beschützt werden? – Vor Raketen und Bomben, vor Angriffen, aber auch vor Ungerechtigkeit, vor gemeinen Unterstellungen und Intrigen. Vor wem will ich beschützt werden? Vor meinen Feinden. Wer kann davor schützen? - Jemand, der stark ist, vor dem allemöglichen Feinde selbst Angst haben. Jemand, der bereit ist, im Notfall auch Gewalt auszuüben. Manchmal sind es aber auch die „Beschützer“, vor denen man jemanden beschützen muss: Mafia-Bosse zum Beispiel erpressen „Schutzgeld“. Sie erbitten eine kleine Gabe, damit dem Gastwirt in ihrem Gebiet „nichts passiert“. Wer kann mich vor denen wirksam beschützen? Und: Vor was will ich beschützt werden? – Vor Angriffen von Feinden, vor dem Teufel, vor Grausamkeit und Gewalt - mit einem Wort: Vor dem Bösen. Aber Böses ist manchmal auch in mir selbst, Hassgefühle und der Wunsch, es jemandem heimzuzahlen, sind mir nicht fremd... – Manchmal möchte ich vor mir selbst beschützt werden. Jemand möge beschützen und bewahren: beschützen vor der Heimtücke böser Menschen; bewahren davor, jemandem Unrecht zu tun, ihn schwer zu verletzen … Ja, richtig: Wenn Aggressoren mit Bomben und Raketen auf Menschen oder auf ein Land losgehen, dann genügt es eben nicht an der Grenze zu stehen und zu sagen: „Du, du Böser!“ Es genügt auch nicht zu sagen: „Du meinst es doch gar nicht so, im Herzen bist du doch gut.“ …Es genügt nicht an der Grenze ganz viele Lämmer weiden zu lassen. Lautsprecher oder Leisesprecher die Worte aus Jesaja 11,6 hersagen zu lassen, genügt nicht… - Hier in dieser Welt genügt das nicht. Das wissen wir nicht erst, seit im Februar ein kleineres Land von einem größeren und stärkeren und besser bewaffneten angegriffen wurde. Aber durch den, der gesagt hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden …“ – durch ihn können wir glauben, dass Hass und Gewalt eben nicht den letzten Sieg erringen werden. Und dass die ganze Schöpfung, mit ihren gigantischen Galaxien bis zum kleinsten Mäuschen und Grashalm erlöst werden wird. Das glauben zu dürfen, tut mir gut, wenn Schüsse hallen, wenn Feinde drohen, oder wenn das Böse in mir nach Vergeltung schreit. Das glauben zu dürfen, tut mir gut, wenn die Güte im Lande wieder einmal schwächlich ist und die Bosheit an Kräften wieder zunimmt. – Da brauche ich ein solch krasses, irgendwie aufwühlendes Bild, das nicht einfach eingeht und nicht gleich mein volles Einverständnis erfährt. Das Bild von jenem Frieden, der viel umfassender ist, als ich es mir jemals vorstellen könnte, lässt mich nicht los. Und der eine, starke und gute Gott, der sich in Christus dem Gekreuzigten und Auferstandenen geoffenbart hat, der seine Feinde eben nicht vernichtet hat, sondern für sie ans Kreuz ging, möge mich davor bewahren, dieses Bild jemals loszulassen.
Gottes Segen wünsche ich Ihnen, liebe Leser,
Ihr Pfarrer
Martin Engler


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